Eintracht Frankfurt arbeitet am Chiemsee mit unfertigem Kader

Eintracht Frankfurt bereitet sich im Trainingslager in Grassau am Chiemsee auf die kommende Saison vor. Trainer Adi Hütter muss dabei mit einem unvollständigen Kader arbeiten. Trotz der Herausforderungen durch fehlende Spieler und behördliche Anordnungen für Testspiele, liegt der Fokus auf der Vorbereitung des Teams für die neue Spielzeit.
Der zweite offizielle Auftritt der Eintracht in der Saisonvorbereitung, ein Testspiel gegen den türkischen Klub Trabzonspor, findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Verein gab den Austragungsort nicht bekannt, um zu verhindern, dass Fans zum Spielort reisen. Diese Maßnahme ist auf eine behördliche Anordnung zurückzuführen, die ihre Ursprünge in Vorfällen aus dem Jahr 2015 hat. Damals kam es nach einem Testspiel gegen Leeds United in Eugendorf bei Salzburg zu Auseinandersetzungen, bei denen 21 deutsche Fans festgenommen wurden. Die Nachwirkungen dieser Krawalle führen dazu, dass Eintracht-Anhänger bei Testspielen auf kleineren Sportanlagen in einigen Regionen nicht willkommen sind.
Vorbereitung unter besonderen Umständen
Obwohl Hütter gerne Fans vor Ort begrüßt hätte, konzentriert er sich darauf, sein Team optimal auf die neue Saison vorzubereiten. Die Spielzeit steht unter dem Motto der Versöhnung und Aussöhnung. Jedes private Spiel und jede Trainingseinheit werden genutzt, um das Team zu formen. In den kommenden Tagen bis zum Abschluss der ersten Vorbereitungsphase wird intensiv gearbeitet. Diese Phase endet mit einem Spiel gegen Waldhof Mannheim am 1. August um 17 Uhr, zu dem die Eintracht-Delegation direkt aus Bayern anreisen wird. Danach erhalten die Spieler einige freie Tage.
Der Eintracht-Tross reiste am Donnerstag in den Süden nach Grassau, einem beliebten Ziel für professionelle Fußballklubs wie den FC Bayern München und Mainz 05. Die Eintracht wird für acht Tage am Chiemsee Quartier beziehen und sich dort mit dem VfB Stuttgart abwechseln, der anschließend seine Feinabstimmung für die bevorstehende Saison vornehmen wird.
Hütter muss mit einem Kader arbeiten, der noch nicht komplett ist. Einige WM-Teilnehmer sind noch nicht zurückgekehrt. Nathaniel Brown und Aurèle Amenda haben den Verein verlassen. Can Uzun und Ellyes Skhiri sind wieder ins Team integriert, und Ritsu Doan wird in Grassau zur Mannschaft stoßen. Spieler wie Arthur Theate, Fares Chaibi, Ayoube Amaimouni und Elye Wahi werden erst Anfang August zurückerwartet.

Kaderumbruch und hohe Erwartungen
Der Kader wird sich im Laufe der Vorbereitung noch verändern. Es ist derzeit unklar, wie das Team aussehen wird, das am 21. August im Pokal gegen den SC St. Tönis und acht Tage später in der Bundesliga gegen Union Berlin antreten wird. Auch die personelle Zusammensetzung nach dem 2. September, dem Ende des Transferfensters, ist noch offen. Sportvorstand Markus Krösche steht unter Druck, den Kader zu optimieren.
Der Kader muss ausgedünnt und verschlankt werden. Dies betrifft nicht nur Spieler, die zuletzt ausgeliehen waren, wie Niels Nkounkou, Eric Dina Ebimbe und Jessic Ngankam. Auch Spieler wie Michy Batshuayi oder Noel Futkeu, der für 1,3 Millionen Euro von Greuther Fürth zurückgekauft wurde, um ihn gewinnbringend zu verkaufen, sollen den Verein verlassen. Für Futkeu werden zehn Millionen Euro angestrebt, mit Interessenten aus dem Ausland und der unteren Hälfte der Bundesliga.
Auch Elye Wahi, der einen Markt hat, aber wählerisch bei der Wahl eines neuen Arbeitgebers ist, könnte den Verein verlassen. Die Eintracht rechnet mit 20 Millionen Euro, die sie am liebsten in Arnaud Kalimuendo reinvestieren würde. Es ist jedoch ungewiss, ob Nottingham den Stürmer ziehen lässt, da Oliver Glasner dort Trainer ist und sich lobend über Kalimuendo geäußert hat.
Der Umbruch betrifft auch Spieler, die zuletzt zum Stamm gehörten, aber nun eine eingeschränkte Zukunft in Frankfurt haben, darunter Theate, Chaibi oder Skhiri. Auch Profis wie Jean-Matteo Bahoya, Hugo Larsson und Ritsu Doan könnten den Verein verlassen, wenn sie dies wünschen und der Preis stimmt. Der Klub ist auf erhebliche Einnahmen angewiesen, die nur teilweise reinvestiert werden sollen.
Adi Hütter, der 56 Jahre alte Österreicher, kehrt zum zweiten Mal zur Eintracht zurück und bringt die Hoffnung auf mehr Durchschlagskraft und Verlässlichkeit mit sich. Die Erwartungen an ihn sind hoch, da er die Spieler zu höherer Intensität und größerer Verlässlichkeit in den Abläufen anleiten soll. Seine Rückkehr markiert eine Kurskorrektur nach einem Intermezzo mit Albert Riera, das die Bedeutung von Verlässlichkeit verdeutlichte.
In Frankfurt, einem Fußballstandort mit vielen Emotionen, ist Hütter die Dynamik aus seinen früheren Jahren bis 2021 vertraut. Er weiß um die emotionale Wucht, die Entscheidungen rund um die Eintracht auslösen können. Der Verein hat eine Saison hinter sich, die den eigenen Ansprüchen nicht genügte, da die Qualifikation für den Europapokal verspielt wurde. Dies ist ein Rückschlag für einen Klub, der sich in den letzten zehn Jahren durch internationale Auftritte einen Namen gemacht hat.
Die Verpflichtung von Noël Aséko und der Verkauf von Aurèle Amenda zeigen, dass der Veränderungsprozess im Gange ist. Weitere Zu- und Abgänge werden folgen müssen, da der Kader als zu groß und viele Schlüsselpositionen für höhere Ansprüche als unzureichend besetzt gelten. Als Hütter die Eintracht einst mit der „Büffelherde“ zu einer schwer zu stoppenden Gemeinschaft formte, waren Disziplin, Selbstvertrauen und Unerschrockenheit zentrale Eigenschaften. In Monaco entwickelte er diesen Ansatz weiter, mit mehr Ballbesitzkontrolle und einer besseren Balance zwischen Angriffslust und Verteidigungspflicht. Diese Mischung könnte nun zum Maßstab für die SGE werden.
Der Trainer kann den Ausbruch aus der Mittelmäßigkeit, in die die Eintracht geraten ist, nicht alleine bewerkstelligen. Markus Krösche steht mit seiner Personalplanung ebenso in der Pflicht wie die rund zwanzig Profis, die die Ambitionen des Vereins repräsentieren sollen. Der Start des Projekts verlief komplikationslos, aber die Auftaktwoche und der 7:1-Sieg im Testspiel gegen den FC Gießen können noch keine endgültigen Aufschlüsse über die Erreichbarkeit der Ziele geben, wenn Mitte August der Pflichtspielalltag beginnt. Der Umbau, den Hütter zu bewältigen hat, ist umfangreich. Es ist jedoch erkennbar, dass die Eintracht unter Hütter wieder einem klaren Plan folgt, was zuletzt fehlte. Die erste Vorbereitungsphase endet mit der Begegnung bei den Freunden von Waldhof Mannheim am 1. August.
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Source: fr.de