Frankfurt: Marc Kosicke erhält bedeutende Rolle im DFB-Team unter Jürgen Klopp

So viel Macht bekommt Klopps Schattenmann - SPORT1

Jürgen Klopp, der neue Bundestrainer, hat bei seiner Vorstellung in Frankfurt seinen langjährigen Weggefährten Marc Kosicke als „Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation“ vorgestellt. Diese Personalie, die vom DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf als überraschend bezeichnet wurde, deutet auf eine weitreichende Rolle für Kosicke innerhalb des Verbandes hin.

Kosicke, der seit rund zwei Jahrzehnten eng mit Klopp zusammenarbeitet, wird als „externer Mitarbeiter“ fungieren und sich um „administrative Dinge“ sowie „organisatorische Dinge für das gesamte Trainerteam“ kümmern. Neuendorf betonte, dass Kosicke „jeden Zugang im Verband“ erhalten und eine „wichtige Schnittstelle in den Verband hinein“ sein werde. Diese Konstellation bedeutet, dass Kosicke ausschließlich an Klopps Weisungen gebunden ist und die DFB-Führung keine direkte Macht über ihn haben dürfte.

Klopps Medienverständnis und Kosickes Einfluss

Bei seiner Vorstellung äußerte sich Jürgen Klopp auch zu seinem Verständnis der Medienrolle. Er wies darauf hin, dass er Journalisten und Interviews während seiner Auszeit als Vereinstrainer nicht vermisst habe. Gleichzeitig lud er die Medienvertreter ein, den Weg zu einer erfolgreichen Fußballnation gemeinsam zu gehen.

Klopp betonte, dass er seine Aufgabe als Bundestrainer nicht gegen die Medien, sondern für sie und die Öffentlichkeit ausübe. Er wünschte sich Sachlichkeit und den Einsatz des Verstandes von Journalisten. Dabei äußerte er auch eine klare Warnung: „Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg.“ Diese Aussage wurde als eine mögliche Drohung interpretiert, die darauf abzielt, scharfe Kritik zu unterbinden und die öffentliche Debatte zu kontrollieren.

Die Integration von Marc Kosicke in den offiziellen DFB-Stab wird als strukturelle Veränderung gesehen, die Klopps Haltung flankiert. Kosicke, der auch eine Verbindung zum FC Bayern hat, indem er den Slogan „Mia san mia“ für den Rekordmeister entwickelte, wird laut Berichten seine Position als Geschäftsführer seiner Firma „projectFIVE“ aufgeben und keine weiteren Klienten mehr betreuen. Jürgen Klopp erklärte, dass Marc Kosicke kein Berater mehr sei.

Jürgen Klopp wird auf seiner Antritts-PK als Bundestrainer gefragt, ob er in der deutschen Nationalmannschaft seinen Fußball durchdrücken möchte. Der 59-Jährige holt weit aus.
Jürgen Klopp wird auf seiner Antritts-PK als Bundestrainer gefragt, ob er in der deutschen Nationalmannschaft seinen Fußball durchdrücken möchte. Der 59-Jährige holt weit aus. Credit: sport1.de

Diese Konstellation, in der Klopps langjähriger Medienberater in den DFB-Stab integriert wird, könnte eine professionelle Filterblase schaffen. Das Ziel scheint die Kontrolle über das Narrativ rund um die Nationalmannschaft zu sein, weg von einer kritischen Begleitung hin zu einer gesteuerten Imagepflege. Klopp verwies auf den Umgang mit seinen Vorgängern Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel, um seine Forderung nach bedingungsloser Unterstützung durch die Medien zu untermauern.

Hintergrund der Personalie und zukünftige Aufgaben

Die Entscheidung, Marc Kosicke eine so einflussreiche Rolle zu übertragen, ist wohl auf die enorme Verzweiflung im DFB nach dem Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft zurückzuführen. Jürgen Klopp nutzte seine exponierte Stellung als Wunschkandidat für den Bundestrainer-Posten, um die Einbindung seines Ratgebers durchzusetzen.

Der Vertrag von Jürgen Klopp als Bundestrainer beginnt offiziell am 15. August. Er hat einen Vertrag bis zur nächsten Weltmeisterschafts-Endrunde im Sommer 2030 unterzeichnet. Seine ersten Länderspiele stehen in zwei Monaten an, wenn die DFB-Auswahl Ende September in die nächste Auflage der Nations League startet, unter anderem gegen die Niederlande, Serbien und zweimal Griechenland.

Bundestrainer Jürgen Klopp bei seiner offiziellen Vorstellung
Bundestrainer Jürgen Klopp bei seiner offiziellen Vorstellung Credit: sportschau.de

Klopp wird von seinen langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie seinem ehemaligen Dortmunder Spieler Sven Bender als Co-Trainer unterstützt. Das erste große Ziel ist die Europameisterschaft 2028, die in England, Schottland, Wales und Irland stattfinden wird. Die Qualifikation für dieses Turnier ist für das kommende Jahr geplant.

Der DFB-Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke führten Verhandlungen mit Klopp und Kosicke in New York, um die Verpflichtung zu realisieren. Ein anfängliches Hindernis war Klopps Anstellung als Head of Global Soccer bis 2029 bei Red Bull, die jedoch durch eine kreative Lösung mit Red-Bull-Boss Oliver Mintzlaff in München überwunden wurde. Der DFB bedankte sich bei Red Bull für die Freigabe Klopps und bestätigte eine Zahlung an die Stiftung des Getränkeunternehmens sowie drei Länderspiele in Leipzig bis 2030.

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Source: sport1.de

Anna Klein ist Sportredakteurin und berichtet über Fußball, Sport und aktuelle Ereignisse.